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der Künstlerbund Stuttgart von 1898 bis heute
von Anna J. Deylitz
Die Tafelrunde als Vorläufer
Welcher Verein ist schon anläßlich seines hundertjährigen Jubiläums in der Lage, sich ein Bild von einigen der
frühesten Mitglieder zu machen? Eine kleine Preziose, die sich seit den Anfangen in den Händen des
Künstlerbundes befindet, gibt hier mannigfache Auskunft. Im Jahr 1876 wurde von Kunstschülern die sogenannte
"Tafelrunde" gegründet. Man traf sich regelmäßig, zechte tüchtig in Lokalen, die heute wohl nicht mehr
existieren, und verfaßte Zeitungen für diese Tafelrunden und da man nun einmal Kunst studierte, wurden diese
Zeitungen üppig illustriert. Begebenheiten, Ausflüge, die Weiblichkeit wurde angedichtet und abgebildet, das
Ganze wurde häufig signiert und fast durchgängig aufbewahrt. So geben diese kleinen Kostbarkeiten in Form von
fünf Büchern nicht nur ein schönes Abbild der damaligen Zeit, sondern dokumentieren auch die Kunstfertigkeit
der verschiedenen Mitglieder. Aufgrund der Signaturen oder "literarischen Erwähnungen" lassen sich aber auch
Lebensläufe verfolgen.
Etliche Mitglieder dieser Tafelrunde nämlich finden sich in alten Künstlerlexika wieder, einige auch noch in den
neueren. Ob das Überdauern ihrer Werke nun dem Glück oder persönlicher Begabung zu verdanken war? Eine
Diskussion, die immer wieder geführt werden wird, wenn Lebenswege von Künstlern betrachtet werden.
Jedenfalls sind viele dieser Tafelrundenteilnehmer später Mitglieder des Stuttgarter Künstlerbundes geworden.
Einer von ihnen, Karl Bauer (1868-1942), Künstler und Schriftsteller, ist sowohl in den Aufzeichnungen der
Tafelrunde als auch später im Kreis der "Stuttgarter Sezessionisten" zu finden.
Daß bereits bei der Tafelrunde gelegentlich Unzufriedenheit mit den Professoren in Wort und Bild bekundet wird,
wen wunderts, wenn man vernimmt, daß diese Professoren ihre Studenten ihre eigenen Werke kopieren ließen,
und das über Semester hinweg, oder aber ihnen Stilleben zum Abzeichnen vorsetzten, daß die Modelle für das
Aktzeichnen selbst bezahlt werden mußten, was sich kaum jemand leisten konnte und man deshalb auf
Gipsabgüsse klassischer Vorbilder zurückgreifen mußte?
Die Karikaturen der Professoren Igler (Malen), von Donndorf (Bildhauer), Herterich (Zeichnen), Dr. von Lemcke
(Kunsthistoriker) und Jäckle ( ? ) zeigen, wen man schätzte und wen man nicht so gern mochte. Die damaligen
"zornigen jungen Männer" machten sich über die Zustande lustig, über fehlende Ateliers und Förderung, ärgerten
sich, gingen nach München oder Karlsruhe, wo man zu der Zeit (1876-1896) deutlich mehr lernen konnte.
Berufung Graf Leopold von Kalkreuths nach Stuttgart
Als Ludwig Herterich, der aus München als Lehrer an die Stuttgarter Kunstschule kam und im Stuttgarter Klima
und besonders in der konservativen Arbeitsumgebung so gar nicht heimisch werden wollte, einen Ruf zurück nach
München annahm, gab es ein Gespräch mit dem König von Württemberg, Wilhelm II., der wie seine Gattin sehr
kunstsinnig war und dem die kulturelle Vorrangstellung Münchens ein Dorn im Auge war. Man wollte zumindest
gleichziehen. Herterich empfahl, sich jemanden von der nahen und renommierten Karlsruher Akademie zu holen.
Graf Leopold von Kalckreuth wurde wohl von Herterich ins Gespräch gebracht. Von Kalckreuth, selbst begabter
Maler und ein sehr guter und liberaler Lehrer, war bereit, nach Stuttgart zu kommen. Ob er die Weitsicht hatte,
daß allein gegen die konservative Stuttgarter Phalanx nicht anzukommen war oder ob er sich von seinen
geschätzten Karlsruher Kollegen nicht trennen konnte: er bestand darauf, daß die Kollegen Carlos Grethe und
Robert Poetzelberger ebenfalls einen Ruf nach Stuttgart bekämen. Der König, der mit der Einsetzung des Baron
Joachim Ganz Edler zu Putlitz als Generalintendanten für das Theater schon eine gute Hand bewiesen hatte, ließ
eigens für von Kalckreuth eine Komponierklasse schaffen, machte Poetzelberger zum Nachfolger von Herterich in
der Zeichenklasse und Grethe zum Hilfslehrer bei Poetzelberger. Kalckreuths komplettes Gehalt und eine
Aufbesserung von Grethes Bezügen wurden aus der königlichen Schatulle bezahlt, da die Kunstschule, die spätere
Akademie, keine zusätzlichen Mittel hatte. Eine viel beachtete Ausstellung der drei neuen Lehrer und ihrer
Schüler im Jahr 1900 machte schnell auf sie aufmerksam.
Gründung des Künstlerbundes
Vorher aber hatte von Kalckreuth schon - wie im Jahre 1896 in Karlsruhe - dafür gesorgt, daß die Künstler ein
Forum bekamen, das ihnen solche Ausstellungen ermöglichte. Der Stuttgarter Künstlerbund wurde ins Leben
gerufen, in Form eines eingetragenen Vereins. Das Gründungsdatum wird verschieden erwähnt. Jedenfalls taucht
der Verein "Stuttgarter Künstlerbund" im Jahr 1900 erstmalig im Stuttgarter Adreßbuch auf, mit von Kalckreuth
als erstem Vorsitzenden und einer Adresse in der Urbanstraße 37, auch heute noch Sitz der Staatsgalerie.
Die Vereinsgründung muß also vor 1900 stattgefunden haben. Ob sie wirklich vor der Berufung von Kalckreuths
stattgefunden hat, nämlich im Jahr 1898, wie im Verein überliefert, oder im Jahr der Berufung von Kalckreuths,
1899, laßt sich nicht mehr rekonstruieren, da viele Unterlagen im 2. Weltkrieg verbrannt sind, vertrauen wir also
auf die Überlieferung im Verein.
Der Kunsthistoriker Julius Baum berichtet im Jahr 1913, daß von Kalckreuth bald nach der Gründung des
"Ausstellerverbandes Künstlerbund" einen "Geselligen Verein Künstlerbund" aus der Taufe gehoben hat, der den
Künstlern zum Gedankenaustausch und zur Geselligkeit dienen sollte, der also quasi die Tafelrunde fortsetzen
sollte. Von diesem Verein ist in den Archiven leider nichts zu finden, der Umstand aber macht verständlich,
warum noch heute gelegentlich Diskussionen aufkommen, ob man denn nun ein "Ausstellerverband" oder ein
"Geselliger Verein" sei, zumal wohl bei einer Neueintragung ins Vereinsregister, die 1935 fällig wurde, die
Geselligkeit betont werden mußte. Ausstellungen wurden zu dieser Zeit von höherer Stelle ausgerichtet.
Daß der Stuttgarter Künstlerbund einen weiteren kleinen Schatz sein eigen nennt, sei hier nicht verschwiegen: es
handelt sich um einen Restsatz von 5 (von ursprünglich sieben) Handpuppen, der Überlieferung noch von Robert
Poetzelberger geschnitzt, vermutlich etwa 1908 und zum Abschied von Kalckreuths. Die karikierenden Köpfe
zeigten die Herren Leopold von Kalckreuth, Carlos Grethe, Robert von Haug, und Alexander Eckener von der
Akademie, den alleinunterhaltenden Maler Josef Kerschensteiner, den Architekten des Kunstgebäudes Theodor
Fischer und den Geschäftsführer des Kunstvereins Hermann Widensohler.
Man mag kaum an einen Zufall
glauben, wenn man in der Eckener-Radierung "Dilettantenorchester" aus dem Jahre 1913 meint, die gleichen
Köpfe zu sehen. Dann wäre auch das "Dilettantenorchester" ein echtes Produkt zum Thema Künstlerbund.
Vorsitzende und Aktivitäten bis 1941
Im Stuttgarter Künstlerbund ging (immer laut Stuttgarter Adreßbuch, das Vereinsregister fiel teilweise den
Bomben zum Opfer!) der Vorsitz 1908 von von Kalckreuth an Carlos Grethe über, da von Kalckreuth 1907 die im
Jahr 1901 in den Status einer Akademie erhobenen Kunstschule wieder verlassen hatte. 1909 übernahm Professor
Hans von Heider von der Kunstgewerbeschule den Vorsitz und 1912 (Sitz Schillerstraße 17) Robert Poetzelberger,
der dieses Amt bis 1916 innehatte. In seine Zeit fiel der Umzug in das neu erbaute Kunstgebäude, von dem noch
zu berichten sein wird. Weitere Vorsitzende waren ab 1916 Professor Heine Rath, in den Jahren 1923 bis 1927
gibt es keine Einträge, dann folgt 1928 Professor Robert Breyer. In den Anfängen der Nazizeit wurden alle Kunst-
und Künstlervereine gleichgeschaltet, der Stuttgarter Künstlerbund wurde aus dem Vereinsregister gelöscht und
neu eingetragen, 1. Vorsitzender Julius Kurz und im Jahr 1937 noch einmal Professor Hans von Heider, für das
Jahr 1938 ist Professor H. Kißling von der Akademie im Adreßbuch als Vorsitzender zu finden, der schon 1936
im Vereinsregister steht. Dieser Name taucht noch bis 1942 gelegentlich auf, dann werden Vereinsvorsitzende
nicht mehr im Adreßbuch erwähnt, laut Vereinsregister wurde Adolf Weller mit der Wahrnehmung der Geschäfte
eines Vorsitzenden betraut. Anläßlich einer Ausstellung des Stuttgarter Künstlerbundes im Jahr 1941 findet sich
Josef Zeitler als Vorsitzender verzeichnet.
Ausstellungen der frühen Zeit
In den Anfangszeiten sind "Ausstellungen" das entscheidende Thema des Stuttgarter Künstlerbundes, denn man
machte sich schon bald einen Namen, vor allem durch die strenge Jurierung bei den Werkschauen, die immer
wieder lobend erwähnt wurde. Gemeinsam mit der Stuttgarter Kunstgenossenschaft trat man als Stuttgarter
Gruppe erstmals 1904 in Dresden mit einer Gesamtausstellung auf. Die dafür von der Kunstgewerbeschule unter
der Leitung von Bernhard Pankok geschaffene Saaleinrichtung und -ausstattung wurde später von der Stuttgarter
Gemäldegalerie übernommen. Weitere Ausstellungen fanden im Jahre 1904 in Wiesbaden, Aachen, Krefeld und
Heilbronn statt. Im Jahr 1907 wurde Köln mit einer Ausstellung beschickt, im Jahre 1909 wieder Dresden. Im
Januar 1909 stellte der Stuttgarter Künstlerbund in Mannheim, einen Monat später in Stuttgart in den Räumen des
Kunstvereins in der Schellingstraße aus. Ausstellungen in Heilbronn, Magdeburg, Elberfeld, Krefeld und
Wiesbaden schlossen sich an, so berichtet Dr. Erich Heyfelder vom Künstlerbund anläßlich der Ausstellung zum
25jährigen Bestehen.
Außerdem fand, anderen Quellen zufolge, im Jahr 1907 die Abschiedsaustellung für von Kalckreuth statt, der
Stuttgart wieder verließ, 1909 gab es eine viel beachtete Werkausstellung des beliebten Akademielehrers Friedrich
von Keller anläßlich seiner 25jährigen Lehrtätigkeit, in den Jahren 1909 bis 1911 jeweils eine
Gedächtnisausstellung für Otto Reiniger, Alexander Freiherr von Otterstedt und Hermann Pleuer. Im Jahr 1912
folgte eine Ausstellung von Werken von Gustav Schönleber, ebenfalls Lehrer an der Akademie.
Das Kunstgebäude wird geplant
Schon sehr früh wurde bemängelt, daß es in Stuttgart keinen angemessenen Ausstellungsraum gab. Wurde in den
Räumen der Königlichen Galerie (heute Staatsgalerie) ausgestellt, so mußte dafür die ständige Ausstellung
teilweise ausgeräumt werden, andere Räumlichkeiten gab es nicht. Auch der Kunstverein, schon 1827 gegründet
und beschäftigt mit Ankauf und Ausstellungen von Werken, hatte keine ausreichenden Ausstellungsmöglichkeiten.
Bei seinem Weggang erwähnte von Kalckreuth diesen Mangel noch einmal in einem Gespräch mit dem König,
den Ausschlag aber soll eine von den Professoren Grethe, Diez, v. Haug, Hölzel, Keller, Pankok, Poetzelberger und
Habich vom 27.Juni 1907 an den König gerichtete Petition gegeben haben, in dem um die Errichtung eines
Kunstgebäudes am Schloßplatz gebeten wurde. Da das Hoftheater am Schloßplatz 1902 niedergebrannt war,
mußte dieser repräsentative Platz ohnehin neu geplant werden. Obwohl es einen Entwurf von Bernhard Pankok,
dem damaligen Leiter der Kunstgewerbeschule gab, übertrug der König die Ausführung des Kunstgebäudes, das
Städtische Galerie, Kunstverein und Künstlerbund beherbergen sollte, dem inzwischen wieder in München
lebenden Theodor Fischer. Dieser war ab 1901 für mehrere Jahre in Stuttgart als Professor für Baukunde an der
Technischen Hochschule tätig gewesen, ohne je einen größeren Auftrag bekommen zu haben. Es wurde
gemunkelt, daß der König das Künstlerbundmitglied Fischer auf diese Weise quasi mit Stuttgart versöhnen wollte.
Ein repräsentatives Gebäude, in dem neben Ausstellungsräumen ein erstklassiges Restaurant, Klubräume und eine
Kegelbahn für den Künstlerbund und Wohnungen für die Hausmeister und das Restaurantpersonal eingeplant
werden sollten, also quasi ein Mehrzweckbau, war damals noch recht ungewöhnlich und eine wirkliche Herausfor-
derung für den Architekten, der Fischer absolut gerecht wurde. Ursprünglich sollte Pankok zumindest die
Innenausstattung machen, worauf er später verzichtete. Mitglieder des Künstlerbundes waren in der Kommission,
die mit dem Projekt "Kunstgebäude" befaßt war Die feierliche Einweihung des neuen Gebäudes durch den
König sollte ein großes Ereignis werden und eine große Kunstausstellung wird geplant. Daß dabei die Künstler,
zu denen der König ein recht gutes Verhältnis hatte, dem König mit diversen Darbietungen huldigten, versteht
sich von selbst. Innerhalb von drei Jahren entstanden so nicht nur das neue Theater und das Lindenmuseum,
sondern auch das Kunstgebäude.
Einweihung des neuen Kunstgebäudes mit der großen Kunstausstellung 1913
Alle beteiligten Kräfte waren lange beschäftigt, die feierliche Einweihung des neuen Kunstgebäudes am 8. Mai
1913 vorzubereiten. König Wilhelm II von Württemberg mit diversen Gästen hatte sich angesagt, Künstler aus
ganz Deutschland waren aufgefordert worden, sich mit ausgewählten Werken an der Eröffnungsausstellung zu
beteiligen, die heimischen Künstler durften frei einsenden, hatten jedoch vor einer Aufnahmejury, die vorwiegend
von Mitgliedern des Künstlerbundes gestellt wurde, zu bestehen. Die Professoren und Experten Robert v. Haug,
Christian Landenberger, Alfred Schmidt, Eugen Stammbach, Friedrich von Keller, Christian Speyer, Ludwig
Habich, Robert Poetzelberger, Gustav Adolf Bredow, Josef Brüllmann und Ulfert Janßen waren die Juroren.
Anläßlich der feierlichen Einweihung trugen die Stuttgarter Künstler ein von Prof.Diez, dem Leiter der Galerie,
gedichtetes Festspiel "Künstlertraum" vor, es wurde gehuldigt. Schalmeien hörte der Berichterstatter einer
Zeitung bei den Klängen der Königlichen Hofkapelle, Schauspieler des Hoftheaters wirkten ebenso mit wie
Ehrenjungfrauen und eine ganze Schar aus dem Künstlerkreis, wie die Zeitungen berichteten. Der König und sein
Hofstaat amüsierten sich schließlich noch bei dem Kabarett, das die Künstler, namentlich die Maler Alfred
Schmidt, Julius Kurz und Albert Berger vorbereitet hatten. Den Prolog schuf der Maler Kerschensteiner und eine
Parodie auf die "Ariadne" der Dichter Otto Lassen.
Mit 785 Exponaten aus den Bereichen Malerei, Grafik und Bildhauerkunst trug die "Große Kunstausstellung
Stuttgart" ihren Namen zu recht. Schon nach zwei Monaten waren die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern höher
als für den gesamten Ausstellungszeitraum veranschlagt, und als die Ausstellung am 19. Oktober ihre Pforten
schloß, hatte man mehr als hunderttausend Besucher gezählt und für mehr als 300000 Mark Kunstwerke
verkauft oder in Auftrag genommen.
Anläßlich der Ausstellung entstand im Jahr 1913 ein Werk des Stuttgarter Kunsthistorikers Julius Baum "Die
Stuttgarter Kunst der Gegenwart", das mit seinen vielen Abbildungen ein ausgezeichnetes Bild der Vielfältigkeit
dieser Ausstellung bietet. Da waren noch ganz im 19.Jahrhundert verhaftete Werke ebenso zu sehen, wie die
damals sehr beliebten Werke des schwäbischen Impressionismus und die in die Moderne weisenden Werke von
Willi Baumeister, Oskar Schlemmer und Adolf Hölzel. Aber die "Moderne" hatte noch lange nicht überall Einzug
gehalten, denn ein Teil des Wandschmuckes, den Alfred Heinrich Pellegrini für den Brunnen und für die Räume
des Künstlerbundes geschaffen hatte und die deutliche Jugenstilelemente zeigten, wurde schon nach kurzer Zeit
zugehängt, in den Künstlerbundräumen sogar abgekratzt, weil sie angeblich den Mitgliedern des Künstlerbundes
(man munkelt, es sei Professor v. Haug gewesen) mißfiel.
Die Dekoration jedoch, die Professor Schmoll von
Eisenwerth für die Gesellschaftsräume schuf, sind noch auf einem Faschingsbild aus der Zeit vor den
Bombennächten auszumachen.
Die Klubräume des Stuttgarter Künstlerbundes
Die heutigen Räume des Künstlerbundes liegen sozusagen an historischer Stelle, wenn auch die Nutzung geändert
wurde. Wie sah das damals aus?
Im ersten Stock des neuen Kunstgebäudes waren außer den drei Ausstellungsräumen und den drei Galerien, die
Klubräume des Stuttgarter Künstlerbundes untergebracht. Diese Klubräume lagen in der hinteren Längshälfte des
Vorhallenbaus, also über dem Eingangsbereich des Erdgeschosses im Südflügel, dem Schloßplatz zugewandt. Die
Treppe, die zu diesen Räumen hinauf führte, war jene, für die in der Vorhalle das Treppentürmchen angebaut
worden war. Von ihr aus betrat man einen Garderobenraum und von dort weiter geradeaus das Billardzimmer.
Dieses mündete ohne Tür in einen Gang, von dem man in der Mitte nach links in ein Lesezimmer gelangte.
Geradeaus führte er in den langgestreckten Vereinssaal, der in einen flachgedeckten und in einen längeren,
tonnenüberwölbten Bereich unterteilt war. Ihm schloß sich eine um vier Stufen erhöhte Bühne an, die nach hinten
zwei Umkleidekabinette begrenzten. Die Fenster der Räume wiesen in Richtung der Kuppel, drei des Saals -
insgesamt erhellten ihn fünf - und das des Lesezimmers öffneten sich auf den Schmuckhof, das Fenster des
Billardzimmers ging auf die nicht überdachte Halle der Terrasse über dem Hof. Eine Tür führte von diesem
Zimmer auf sie hinaus. Die Ausstattung des Garderobenraums und des Billardzimmers besorgte der Architekt
Oskar Pfennig, die des Lesezimmers und des Saals, mit Ausmalung der Tonnendecke, der Maler Eduard Pfennig. Im
Untergeschoß befand sich für den Künstlerbund eine Kegelbahn. Kegelstube und Bahnraum wurden von Theodor
Fischer entworfen. Die Stube war bis in halbe Wandhöhe dunkel holzvertäfelt, die Wandfläche darüber zeigte sich
einfarbig und hell wie die Decke.
König Wilhelm II. und der Stuttgarter Künstlerbund
War es in diesen Räumen oder noch in den Gesellschaftsräumen des Künstlerbundes in der Schillerstraße?
Wilhelm II. scheint eine besondere Vorliebe für seine Künstler gehabt zu haben, denn die Einrichtung der
"Königsabende" gab es schon vor dem Einzug in das Kunstgebäude. Der König stiftete dazu ein kaltes Buffet, das
die Kunstschüler gelegentlich in kostbaren Mohrenkostümen servierten. "Nehmen Sie das Stück, Majestät, das ist
das Größte", soll ein solcher schwarzgemalter Kunstjünger dem König ins Ohr geflüstert haben, und ihm dabei
weißbehandschuht ein Stück Brathuhn vor die Nase gehalten haben. Ein anderes Mal - es fand ein rauschendes
Künstlerbundfest statt und die Polizeistunde war längst überschritten - rief ein pickelhaubenbewehrter Polizist
nach dem Hausherrn. Geistesgegenwärtig soll Professor von Haug auf den im dicken Tabaksqualm sitzenden
König gedeutet haben, denn der Polizist hatte sein "Schwartenmagen" genanntes Büchlein schon gezückt. Von
Haugs "Da hockt er!" ließ den kleinen Polizisten die Majestät erkennen und schier zur Salzsäule erstarren. Was
blieb ihm, als die Hacken zusammenzuschlagen, zu salutieren und zu verschwinden. Auch vom kunstspuckenden
Maler Eugen Krauß, vom begnadeten Maler/Dichter Josef (Beppi) Kerschensteiner, dessen Fähigkeiten Professor
von Haug dem König gegenüber vergnügt mit der Wortgewalt Goethes verglich, von den Weinbeständen des
Künstlerbundes im Keller, und von den Moritaten, Sketchen und Kurzopern dieser Zeit wußte noch 1961 Professor Rudolf Yelin, der
damalige Vorsitzende des Künstlerbundes, der Zeitung zu berichten.
Die frühen Jahre, Ausstellungen und Aktivitäten
Im Jahr 1916 feierte der König seine 25-jährige Regentschaft, ein weiterer Grund für eine Ausstellung der
Stuttgarter Künstler, wieder mit einer vorwiegend von Künstlerbundmitgliedern gestellten Jury.
Wanderausstellungen des Künstlerbundes gingen nach Heilbronn, Tübingen, Heidenheim, später auch nach
Wildbad, Mergentheim u.a.
Vom Jahr 1918 an gab es regelmäßige Frühjahrsausstellungen im Kunstgebäude. Ausstellungen in Nürnberg und
Darmstadt und anderen Orten wurden ausgezeichnet aufgenommen.
Ein wesentlicher Einschnitt: Die Stuttgarter Sezession 1923
Krieg und Inflation setzten dem Stuttgarter Künstlerbund zu, der König hatte sich unter Umgehung Stuttgarts auf
seine Besitzungen zurückgezogen, die Traditionalisten gewannen im Künstlerbund die Oberhand. Die Gründung
des Stuttgarter Künstlerbundes hatte zwar durch die liberale Haltung von Kalckreuths eine frühe Sezession (d.h.
Abspaltung der progressiven Kräfte) um die Jahrhundertwende wie in München, Berlin und anderen Städten
vermieden, doch im Jahr 1923 gab es dann trotzdem eine Stuttgarter Sezession. Der Kunsthistoriker Dr. Harry
Schlichtenmaier führt dazu aus, daß im Grund genommen jede Künstlervereinigung den Keim der Stagnation in
sich berge indem die in ihr zusammengeschlossene Gruppe im Laufe der Jahre jüngere Generationen und ihre
künstlerisch weiterentwickelten Lösungen hemmt. Eine ständig wachsende Schar von Unzufriedenen, sich
verkannt und benachteiligt Fühlenden, bildet sich, die den Kreis der Etablierten und Traditionalisten über kurz
oder lang sprengt, um sich ein eigenes Podium zu schaffen und um der Forderung der Jüngeren auf
gleichberechtigte Behandlung zu entsprechen. Dieser Anspruch läßt sich so lange zufriedenstellen, bis wieder eine
erstarkte jüngere Generation sich benachteiligt fühlt - spätestens dann erfolgt die Gründung einer neuen Gruppe.
Hatte es schon 1918 mit der Üecht-Gruppe um Oskar Schlemmer und Gottfried Graf eine neue Gruppe gegeben,
die eine Reform der Akademie forderte, so führten jetzt Bevormundungen der Traditionalisten den Jungen
gegenüber sowie die Verwendung der Jury als Machtmittel statt als "Hilfsmittel zur Eliminierung des
Mittelmäßigen" zur Abspaltung. Die Gestaltung der Ausstellungen war der wesentliche Streitpunkt, der zu dieser
Abspaltung führte.
Zu den Gründungsmitgliedern der Sezession gehörten die Akademielehrer Heinrich Altherr und Arnold
Waldschmidt, sowie die Lehrer an der Kunstgewerbeschule Alfred Lörcher und Bernhard Pankok, aber auch die
freien Künstler Reinhold Nägele und Jakob Wilhelm Fehrle. Die führende Rolle Altherrs in der Sezession wurde
allgemein akzeptiert. Sein Eintreten für geistige Entwicklung und freie Entfaltung in der Kunst wurden damals
nicht von allen Sezessionisten geteilt, aber gängeln lassen wollte man sich auch nicht ständig. Viele der
Sezessionisten jedenfalls waren Mitglieder des Künstlerbundes.
Gründe und Pressestimmen
Der Kunstkritiker Missenhard urteilte damals in der Württemberger Zeitung: "Nun ist gewiß nicht zu bestreiten,
daß der Künstlerbund, solange er im Geiste seines Begründers, des Grafen Kalckreuth, geleitet wurde, für das
künstlerische und gesellschaftliche Leben Stuttgarts viel bedeutet hat. Aber schon in den Jahren vor dem Krieg ist
doch in dem Kreis manches geschehen, was sehr nach Unduldsamkeit aussah; man braucht nur daran zu erinnern,
daß die sehr schönen Fresken Pellegrinis in den Räumen des Künstlerbundes bis auf den heutigen Tag zugehängt
bleiben mußten, weil sie seinerzeit dem allmächtigen Robert von Haug nicht gefielen. Ich habe an diese an sich ja
nicht sehr wichtige Tatsache manchmal denken müssen, wenn die Ausstellungen des Künstlerbundes so gar nicht
mehr lebendig wirken wollten. Zwar hat die Jury allzeit den Schein einer gewissen Vorurteilslosigkeit auch sehr
unakademischen Bestrebungen gegenüber zu wahren versucht, trotzdem wurde man den Eindruck nicht los, daß
manche Begabungen, auf die es vielleicht in erster Linie angekommen wäre, nur geduldet, nicht aber so stark in
den Vordergrund gelassen wurden, daß sie den Charakter der Ausstellungen hätten bestimmen können. Die
Hauptrollen spielten eben doch die Persönlichkeiten, die als Künstler gewiß jedesmal höchst Achtbares boten,
deren Entwicklung aber allmählich als abgeschlossen zu gelten hatte".
Im Stuttgarter Neuen Tagblatt urteilt
Karl Konrad Düssel: "Der Künstlerbund hat sich in den letzten Jahren in seiner Mehrheit immer mehr einer über-
aus gemächlichen und schließlich in Wiederholungen gleichgültiger Ausstellungspolitik überlassen. ... Nun ist der
Erfolg da und wir haben nun in Stuttgart eine Zersplitterung... während unserem Kunstleben eine Konzentration
der Besten ... mehr förderlich wäre."
Die 1. Ausstellung der Sezessionisten in den Räumen des Kunstvereins wurde
von Kennern der Szene außerordentlich positiv bewertet. Was eine solche Absplitterung der Progressiven für eine
Künstlervereinigung wie den Künstlerbund bedeuten mag, kann man sich vorstellen.
Nach der Sezession, 25-Jahr-Ausstellung im Jahr 1925
Zur 25-Jahr-Feier, verspätet, welches Gründungsjahr man auch annimmt, gab es eine "Große Schwäbische
Kunstschau" des Künstlerbundes Stuttqart im Kunstgebäude.
Man hielt Rückschau und zeigte Gegenwärtiges, hatte einen Ehrenausschuß von 35 Persönlichkeiten ernannt, drei
getrennte Jury-Gruppen für Malerei, zeichnende Künste und Bildhauerei bestimmt und eine große Gruppe von
Künstlern und Werken gewonnen. Daß sich unter den Künstlern einige befinden, die zu den Sezessionisten
gehörten, wie zum Beispiel Landenberger und Baumeister, zeugt davon, wie liberal man auf beiden Seiten damals
war. Mit mehr als 650 Werken und über 170 Künstlern, zwar vorwiegend, aber nicht ausschließlich aus Stuttgart,
war diese Ausstellung in Größe und Aufwand einem solchen Jubiläum sicher angemessen. Schaut man sich die
Titel der Kunstwerke an, so finden sich immer noch vorwiegend Landschaften, Städtebilder, Tierbilder, Porträts,
Stilleben. Leider ist der zu dieser Ausstellung zumindest geplante bebilderte Katalog nicht auffindbar.
Frühjahrsschau April 1932
Der nächste auffindbare Katalog läßt allein schon wegen der wenig anspruchsvollen Form vermuten, daß es sich
bei der Frühjahrsaustellung 1932 um eine der alljährlich wiederkehrenden Veranstaltungen handelte. Mit 95
Ausstellern und fast 300 Werken auch hier wieder eine ausführliche Werkschau. Die Künstler kommen fast alle
aus Stuttgart, was vermuten läßt, daß wir hier neben einem Aussstellungsverzeichnis eine Mitgliederliste des
Stuttgarter Künstlerbundes aus dem Jahre 1932 vorliegen haben.
Entartete Kunst, Verfolgung und Gleichschaltung
Auch wenn die ganz Progressiven mit den Sezessionisten den Künstlerbund verlassen hatten, die Verfolgung
wegen der künstlerischen Auffassung traf doch einige der Mitglieder und Aussteller des Stuttgarter
Künstlerbundes.
Werke von Max Mayrshofer, Franziska Sarwey, Hans Brühlmann, Karl Caspar, Maria Caspar-Filser, Heinrich
Eberhardt, werden beschlagnahmt. Albert Müller verläßt 1942 aus politischen Gründen die Kunstgewerbeschule,
Albert Unseld geht 1937 in die "Innere Emigration".
Katharina (Käthe) Löwenthal wird im KZ Izbica umgebracht. Die Lebensspur von Ignaz Kaufmann verliert sich
nach 1933, er war Jude ebenso wie Helmut Fechenbach, Mitglied des Stuttgarter Künstlerbundes seit 1927. Er
bekommt schon 1933 Malverbot. Unerschrocken setzt er sich für andere Menschen jüdischen Glaubens ein, indem
er sie auf ihre Emigration vorbereitet. Nebenbei betreibt er seine eigene Emigration, die ihm mit seiner Familie
1939 gelingt. Er geht nach London, wo er zunächst als feindlicher Ausländer interniert, dann aber nach einem
Jahr freigelassen wird. Er kann wieder seiner Kunst nachgehen, schafft Zyklen, die sich mit seinen Erlebnissen
beschäftigen und stirbt 1986 in der Nähe von London. Sie seien hier stellvertretend für alle anderen Mitglieder
erwähnt, deren Schicksal unbekannt ist oder die wegen der Naziherrschaft ihr Leben lassen mußten.
Nachdem bereits 1933 "verdächtige" und "entartete" Lehrer ihre Ämter verloren hatten (Schlemmer beispielsweise
arbeitete zwangsverpflichtet und versah zunächst Gebäude mit Tarnfarbe), wurde die Kunst ab 1935 systematisch
gleichgeschaltet. Vereine, die sich der Kunst verschrieben hatten, wurden aufgelöst, zusammengeführt,
dirigistisch bestimmt. Reichskammern bestimmten jetzt, was Kunst ist. Trotzdem lebte der Künstlerbund nach
einer erneuten Eintragung ins Vereinsregister weiter. Noch 1941 ist eine Jubiläumsausstellung der
Künstlerbundmitglieder Julius Kurz, Josef Zeitler (Architekturbildhauer und häufig von Theodor Fischer
eingesetzt) und August Köhler in Zeitungsbesprechungen zu finden, die zumindest den Eindruck erwecken, als ob
diese Jahresausstellungen noch regelmäßig stattfinden. Von kreatürlicher Mutterliebe, einer vor kurzem
vollendeten weiblichen Nacktfigur namens "Begeisterung" deren edle Haltung dem Symbol der die heilige Flamme
vaterländischen Selbstbewußtseins hütenden Weiblichkeit entspricht schwulstet der Kommentar. Zeitler war zu
diesem Zeitpunkt nach eben diesem Zeitungsbericht Vorsitzender des Künstlerbundes. Decken wir den Mantel der
Nächstenliebe über diese Zeit, es gab nicht nur Jasager und Fahnenschwenker sondern auch Verweigerer, und es
ist nicht jedem Menschen gegeben, sich in kritischen Zeiten einer Auseinandersetzung zu stellen. 1943 wurde das
Kunstgebäude durch eine Sprengbombe getroffen und zerstört. Ab 1944 ruhen die Geschäfte des Kunstvereins.
Das Kunstleben nach dem Krieg
Es ist ebenso verblüffend wie bezeichnend, daß in der Stuttgarter Chronik der ersten Nachkriegsjahre die
bildenden Künste gar nicht erwähnt sind. Von Literatur ist die Rede, von der Musik, die bildenden Künste fehlen.
Im Kreise der Malerkollegen 1959 im Stuttgarter "UFA-Palast" v.l.n.r Maxim Köhler, Maria Schwab-Hasse,
Ruth Hagen-Thorn, Mares Schulz, Stefanie Fürst, Alfred Hetz, N.G.Hartmann, Adolf Weller, Peter Hofmann,Erhard Brude.
Dennoch ging das Vereinsleben weiter, wie die Malerin Mares Schultz berichtet, die schon bald nach dem Krieg
zum Stuttgarter Künstlerbund kam. Die Säulenfront des Kunstgebäudes war zum Teil erhalten geblieben und man
traf sich in einem erhalten gebliebenen Raum gleich hinter dem Treppenaufgang. Als Mares Schultz 1952 nach
Stuttgart verschlagen wurde, war das gesellige Leben im Künstlerbund sehr wichtig. Man wollte wieder Fuß
fassen, auch in einer unbekannten Umgebung, wollte Kontakte aufbauen zu anderen Künstlern und wollte das
Stückchen Jugend nachholen, das 1000 Jahre unterdrückt hatten. Die Künstlerfeste, so erinnert sich Frau Schultz,
waren damals etwas ganz Wichtiges. Künstlerbundmitglieder beschäftigten sich ausführlich mit den
Dekorationen, statteten sogar Faschingsfeste auf dem Killesberg aus, die großen Zulauf hatten und konnten sich so
ein paar Mark dazuverdienen.
Vorsitzende nach dem Krieg
Mußte der erste Vorsitzende nach dem Krieg noch von Amts wegen bestellt werden, es war just der letzte
Vorsitzende während des Krieges, Adolf Weller, der im Mai 48 wieder bestellt wurde und bis 1949 amtierte, so
wurden die folgenden Vorsitzenden wieder in freier Wahl bestimmt. Maxim Köhler war der erste gewählte
Nachkriegsvorsitzende, von 1949 bis 1959, der während der Wiederaufbauzeit großes für den Verein leistete,
Rudolf Yelin hatte den Vorsitz von 1962 bis 1965, Otto Ludwig Kunz von 1965 bis 1967, Professor Paul Stohner
von 1967 bis 1968, wieder Professor Rudolf Yelin von 1969 bis 1978. Es folgte Heinz E. Hirscher von 1979 bis
1984, H.C. Zimmerle von 1984 bis 1988, Inge Kern-Rossa hatte den Vorsitz in den Jahren 1994-1996, und seit
1996 und gerade bis in die Jahrtausendwende wiedergewählt als Vorsitzender ist Rolf Bakenhus.
Wiederbeginn
Schon bald beginnt man auch wieder auszustellen. Da das Kunstgebäude erst 1961 wieder eröffnet wurde, fanden
die ersten Ausstellungen im Haus der Bildenden Künstlerinnen an der Eugenstaffel und in der Schellingstraße
statt. Größeres tat sich auf dem Killesberg, wie die Stuttgarter Chronik berichtet. Am 9. Mai 1953 eröffnete man
eine Ausstellung mit dem Namen "Die Kunst hat tausend Arten", in der jeweils 14-tägig erst Arbeiten der
realistisch-naturalistischen, dann der expressionistisch-sinnbildlichen und zum Schluß der
abstrakt-gegenstandsfreien Richtung gezeigt werden.
Ab Wiedereröffnung des Kunstgebäudes 1961 werden regelmäßig Ausstellungen im Café gezeigt.
Das siebzigjährige Bestehen nahm Professor Rudolf Yelin zum Anlaß, zu einem Empfang in die Klubräume
einzuladen. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, so der Erste Bürgermeister, Dr.Hahn, Ernst Herzog von
Württemberg, Repräsentanten des Württembergischen Kunstvereins, der Galerie der Stadt, der Staatlichen
Akademie der bildenden Künste, des Verbands bildender Künstler sowie des Gemeinderates nehmen unter anderen
an diesem Empfang teil.
Im Jahr 1969 wurde auch die einzige Nummer der Mitteilungen des Künstlerbundes herausgebracht.
Zeitungsausschnitte mit Besprechungen der kulturellen Veranstaltungen, die recht zahlreich in den Räumen des
Künstlerbundes stattfanden, eine längere Betrachtung über Kunst von Peter-Anton Gekle, die typischen
Vereinsmitteilungen sowie ein Veranstaltungskalender sind der Inhalt. Am Rande sei erwähnt, was eine Zeitung
als Glosse schreibt: daß ein Abend mit Thaddäus Troll ein voller Erfolg war (über 150 Zuschauwillige
mußten weggeschickt werden), obwohl im Fernsehen ein "Straßenfeger-Krimi" lief.
Die Faschingsfeste des Künstlerbundes, gelegentlich im gesamten Kunstgebäude, später dann eher in den eigenen
Räumen, erfreuten sich großer Beliebtheit.
Vom 5. bis 30.April 1982 veranstaltete der Stuttgarter Künstlerbund in den Räumen der Baden-
Württembergischen Bank und in den renovierten eigenen Räumen eine Ausstellung mit dem Titel "Begegnung mit
der Kunst". Mit über 50 Ausstellern und mehr als 100 Bildern zeigte man nicht nur die aktuellen Arbeiten der
lebenden Mitglieder, sondern auch viele Werke ehemaliger, inzwischen verstorbener Mitglieder, die von der
Städtischen Galerie und privaten Leihgebern zur Verfügung gestellt worden waren.
Im Frühling und Sommer 1989 wurden vom Stuttgarter Künstlerbund auf dem Stuttgarter Schloßplatz Skulpturen
ausgestellt, um auch den Bildhauern eine Chance zu geben, mit ihren größeren Arbeiten an die Öffentlichkeit zu
gehen.
Der Künstlerbund Stuttgart heute
Durch die Umgestaltung des Restaurants können heute die Ausstellungen von Mitgliedern und anderen Gruppen
wieder in diesen Räumen stattfinden. Hat man vor allem in den vergangenen Jahren viele Ausstellungen für
Künstler aus dem alten Ostblock ausgerichtet, auch um diesen einen Besuch in Stuttgart zu erleichtern, so werden
zur Zeit im wesentlichen Arbeiten von Mitgliedern gezeigt. Durch die
vielen Besucher des Cafés eine hervorragende Möglichkeit, den Künstlerbund durch die Arbeiten seiner Mitglieder
einem breiteren Publikum vorzustellen.
Sonstige Aktivitäten
Die Veranstaltungen im Winterhalbjahr im Rahmen der Reihe "Kunst am Sonntag" haben sich inzwischen zu einer etablierten
Einrichtung entwickelt. Kleine und Große Kunst wird auf unserer Bühne an 5 bis 6 Abenden dargeboten und erfreut sich wachsender Beliebtheit.
Ebenso bietet derzeit der Vereinsabend jeden 1.Mittwoch im Monat eine Gelegenheit zum
Gedankenaustausch für die Mitglieder. Eine wechselnde Zahl von Mitgliedern nimmt an ihnen teilt.
Mitglieder
Derzeit hat der Stuttgarter Künstlerbund 121 Mitglieder, die sich aus Künstlern der verschiedensten Richtungen
zusammensetzen. Ein steigender Anteil von jüngeren Mitgliedern sowie ein ebenfalls wachsender Anteil von in
Stuttgart und Umgebung lebenden Künstlern, die nicht in Deutschland geboren wurden, schafft die Lebendigkeit
im Gedankenaustausch, die sich jeder Verein wünscht. Nach wie vor gilt als Bedingung für die Aufnahme bei
bildenden Künstlern, daß sie sich mit eigenen Ausstellungen bereits bewährt haben müssen. Interessenten an einer
Mitgliedschaft können sich jederzeit zu einer der Mittwochabendrunden einfinden und mit den Mitgliedern
Kontakt aufnehmen.
Weiterführendes über den Stuttgarter Künstlerbund auf Wikipedia: